Ambivalenzen

 

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Eine in altmeisterlicher Technik gestaltete Freiheitsstatue, deren Standfestigkeit und Verankerung als fest gefügtes Leitbild der Gesellschaft durch einen mit Rollen versehenen Sockel offensichtlich obsolet geworden ist, dahinter eine zusammen gekauerte Kindergestalt, die durch ein stacheldrahtähnliches Gebilde gefangen, zur Unbeweglichkeit verdammt ist… ein Gegensatz, der unterstrichen wird durch die prägnante, metallische Darstellung der „Freiheit“, die den Bildvordergrund beherrscht einerseits, die aus den rot-orangen-Tönen zart aufleuchtende Gestalt des Kindes andererseits … ein Widerspruch in sich. Dies ist ein Grundzug, der fast alle Bilder der Malerin Sabine von der Bank kennzeichnet. So auch der jugendliche Straßenkämpfer, der die rechte Hand zum „Victory-Zeichen“ erhebt und der vor flammend rotem Hintergrund als „altmeisterliche“ Grisaille-Malerei wie ein denkmalhaftes Symbol protestierender Jugend dastünde, gäbe es nicht den „gel-gestylten“ Haarschopf und die im roten Flammenmeer kaum wahrnehmbar eingebettete Styling-Gel-Tube, eine für den Erwachsenen oft unverständliche Ambivalenz jugendlicher Haltung.

Die Quadriga mit Siegesgöttin Victoria und dem Eisernen Kreuz, über dem der preußische Adler thront, in klassischer Präzision dargestellt, ist ebenfalls durch einen Hauch von Ambivalenz gekennzeichnet: So wird das „Eherne“ der Erscheinung bereits dadurch konterkarriert, dass die Quadriga frei schwebt. Der gelb-orange-rote Farbenwald, aus dem das Gefährt hervor prescht, verweist auf die bewegte, zum Teil kriegerische Historie.

Schließlich erscheinen einige der Arbeiten mehr oder weniger rätselhaft, sei es der Schlüsselbund, Symbol der heimischen Zuflucht, häuslicher Abgeschlossenheit, in einer Landschaft, die alles andere als das Gefühl von Geborgenheit vermittelt, die vielmehr unmittelbar Dantes Inferno entrissen scheint, sei es die in einem gefährlichen schwarz-grün gehaltene Tarantel, die sich über einen in zarten Rot-Tönen gehaltenem, lieblichen Blumenarrangement bedrohlich auf den Betrachter zu bewegt. In Rätseln sprechen auch die Teelichter-Parade vor einer wild bewegten Fantasielandschaft in Rot-Tönen und der harmonischen Reigen fliegender Bälle, die dadurch unterbrochen wird, dass eine der Kugeln zerbricht oder zerplatzt.

Sabine von der Banks Arbeiten bestechen nicht nur durch ihre Farbkombinationen, die sichere Beherrschung malerischer Techniken und die Komposition, es ist vor allem das Hintergründige, das Rätselhafte, das Ambivalente der Schilderung.

Dr. Karl-Heinz Tiggelers, Kunsthistoriker, Berlin, Juni 2008

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